Andi Schmal | Frifag Märwil AG

«Regionalität kann, muss aber nicht schützen»

Vom Futter für die Tiere bis zur Auslieferung der Produkte an die Partner: Bei der Frifag Märwil AG werden sämtliche Stufen der Produktion von Geflügelfleisch selber in die Hand genommen. Geschäftsführer Andi Schmal über vorbildliche Schweizer, neue Essgewohnheiten und Trends.

Andi Schmal, Geflügelfleisch ist in der Schweiz sehr beliebt. Ist dieser Markt dennoch auch gewissen Schwankungen unterworfen?

 

Die Tendenz des Geflügelkonsums ist seit vielen Jahren tatsächlich steigend. Das Angebot an Schweizer Geflügelfleisch kann nicht immer die grosse Nachfrage decken. Schwankungen sind lediglich saisonaler Art und betreffen vor allem die Wertschöpfungstiefe. So sind in den Sommermonaten stärker Produkte gefragt, die mehr Arbeitsschritte benötigen. Dazu gehören beispielsweise gewürzte Spiessli oder marinierte Steaks. Das führt bei uns zu einer grösseren Auslastung unseres Verarbeitungsbetriebs ohne, dass die Verkaufsmenge markant ansteigt.

 

Um eine bestmögliche Qualität zu erreichen, dürfte gerade auch die Planung bezüglich Angebot und Nachfrage enorm wichtig sein. Vor welche Herausforderungen stellt Sie diese?

 

In der Tat ist das für uns eine der grössten Herausforderungen. Unser grosser Vorteil ist dabei, dass wir die gesamte Wertschöpfungskette in den eigenen Händen haben und so zeitgerecht Einfluss in jeder Verarbeitungsstufe nehmen können. Da wir vor allem im Bereich Frischfleisch tätig sind, haben wir sehr kurze Haltbarkeitsdaten auf unseren Produkten. Wir sind entsprechend darauf angewiesen, unsere Produkte direkt nach der Produktion ausliefern und an die Verkaufstheke bringen zu können. Wir arbeiten darum sehr eng mit unseren Kunden zusammen und organisieren die Absatzplanung gemeinsam. So garantieren wir, die richtigen Produkte zur richtigen Zeit in den richtigen Märkten zu haben.

OFFA - Grill

Herr und Frau Schweizer setzen vermehrt auf regionale Produkte. Spüren Sie diesen Trend?

 

Diese Tendenz ist wirklich zu spüren. Wir haben diesen Trend von Anfang an mit unseren Kunden gemeinsam und erfolgreich vorangetrieben. Auch weil wir überzeugt sind, mit Regionalität ressourcenarm und dadurch ökologisch sowie ökonomisch sinnvoll zu produzieren. Es ist doch sehr sinnvoll, wenn die gesamte Wertschöpfung in der Region bleibt und die Produkte nicht weit transportiert werden müssen.

 

Inwiefern muss bzw. kann auch die frifag mit neuen Entwicklungen und Innovationen auftrumpfen? Oder gilt es sehr, das Bewährte zu optimieren?

 

Auch in unserem Produktionsunternehmen sind Innovationen sehr wichtig. Wir stellen aber fest, dass es absolute Leadprodukte gibt, die seit Jahren die gleichen sind. Innovationen entstehen bei uns vor allem im Grillsortiment. Früher gab es aus dem Poulet drei Produkte: Brüstli, Schenkel und Flügeli. Heute führen wir im Poulet-Sortiment über 300 Artikel. Davon werden sehr viele ohne Knochen und ohne Haut angeboten. Gewürzt oder mariniert, an Spiessen oder direkt in Backofenschalen. Auch die Ernährungsgewohnheiten sind ein Treiber von Veränderungen: «Take away» und «Convenience» Produkte haben einen viel grösseren Stellenwert als früher. Für uns steht aber immer auch die gesunde Ernährung im Fokus.

OFFA - frifrag - Huehner

Ein grosses Augenmerk setzt man auf die vorbildliche Aufzucht und Tierhaltung. Hat eine solche in den vergangenen Jahren die Produkte erheblich verteuert?

 

In der Schweiz sind wir vorbildlich in diesen Themen. Ich würde mir wünschen, dass unser hochwertiges Lebensmittel, das unter strengsten Voraussetzungen produziert wird, auch den Stellenwert bekommt, den es verdient. Die Wertigkeit unserer Schweizer Produkte hat unter den aktuellen Ernährungstrends ein wenig gelitten. Es muss alles immer schneller gehen, möglichst immer erhältlich, naturnahe produziert und trotzdem sehr billig sein. Wir versuchen das alles unter einen Hut zu bringen. Dank wiederkehrenden, hohen Investitionen in unsere Betriebe können wir heute in der gesamten Wertschöpfung sehr effizient produzieren. Das führt zu einer marktgerechten Preisgestaltung der frifag-Produkte.

 

Wie schwer ist es, neue Absatzkanäle zu generieren?

 

In einem gesättigten Markt ist es immer schwierig neue Absatzkanäle zu generieren. Wir sind nahe am Markt und kennen dadurch unsere Kunden und das gesamte Marktumfeld sehr gut. Unser Vorteil ist sicher, dass wir die gesamte Wertschöpfungskette in den eigenen Händen haben. Das entsteht bei den Kunden und Konsumenten viel Vertrauen. Denn sie wissen, dass wir dadurch auch die gesamte Verantwortung für alle Stufen der Produktion übernehmen und für alles, was wir machen, mit unserem Namen geradestehen.

 

Schützt einen der Trend zu mehr Regionalität in gewisser Weise vor der Konkurrenz aus dem Ausland? Oder mit welchen weiteren Mitteln kann man sie gegenüber dieser behaupten?

 

Regionalität kann, muss aber nicht schützen. Denn gut ein Drittel des in der Schweiz konsumierten Geflügelfleischs wird importiert. Der Konsument hat also die Wahl. Legt er Wert auf die strengsten Tierschutzgesetze, die höchsten Qualitätsstandards, sowie auf ein Produkt, das ausschliesslich in der Schweiz produziert wird – und somit auch dem helvetischem Lohnsystem unterworfen ist –, muss er auch bereit sein, diese Mehrkosten mitzutragen. Dafür geniesst er ein qualitativ hochstehendes Erzeugnis aus unserem Land.

 

Das Interview führte Marcel Baumgartner, Co-Chefredaktor von «Die Ostschweiz» sowie Verlagsleiter der Ostschweizer Medien AG.