tunOstschweiz

Was Forschen gegen den Fachkräftemangel bewirken kann

Die «tunErlebnisschau» geht aktiv gegen den Fachkräftemangel in der Schweiz vor. Deshalb war die Enttäuschung gross, als zum zweiten Mal in Folge die OFFA abgesagt wurde. Die Wichtigkeit der Messe betont Alfred Lichtensteiger, Präsident des Vereins tunOstschweiz.ch, im Interview.

Zwar hat es keinen mehr überrascht – dennoch, Hand aufs Herz: Wie gross war die Enttäuschung, dass die OFFA nicht statt finden kann?

 

Ja, die Enttäuschung ist schon gross. Vor allem hätte niemand daran gedacht, dass eine OFFA und somit auch die tunOstschweiz.ch zwei Mal abgesagt oder verschoben werden muss. Ich denke, das spiegelt schon den Ausnahmezustand wider, in welchem wir uns aktuell befinden.

OFFA - tunOstschweiz

Seit 2010 wurden 17 tun-Erlebnisschauen an verschiedenen Standorten, darunter in St.Gallen, durchgeführt. Wie wichtig ist die OFFA für Sie?

 

Die OFFA ist für uns von grosser Bedeutung, da wir Dank ihr ein grosses Publikum in der Ostschweiz erreichen können. Die Familien, welche uns in den Frühlingsferien besuchen, das sind natürlich genau die jungend Forscher*innen, für welche die tun gemacht ist. An anderen Standorten funktioniert die tun-Erlebnisschau auch ohne Messe und dafür mit vielen Schulklassen. Schlussendlich ist es ja das Forschen, Staunen und Entdecken, was die Kinder und Jugendlichen zu uns bringt.

OFFA - tunOstschweiz

Wenn Sie einen Blick in die Vergangenheit werfen, welche Erfolge konnten Sie bereits verbuchen?

 

Ich denke, jede tunErlebnisschau, welche bereits durchgeführt werden konnte, ist ein Teilerfolg hin zum grossen Ziel, Kinder und Jugendliche für die faszinierende Welt der MINT-Fächer zu begeistern. In diesem Sinne durften wir also bereits 17 Erfolge feiern. Natürlich ist es auch bei jeder Durchführung in der Ostschweiz überwältigend, welch zahlreiche Unterstützung wir für unser Vorhaben erhalten. Das würde ich ebenfalls als Erfolg verbuchen. Ein Erfolg und Zeichen des Miteinander der Region.

OFFA - tunOstschweiz

Ihr Hauptpublikum liegt zwischen sechs und 13 Jahren. Wie gross ist das Interesse in diesem Alter an den Themen Technik und Naturwissenschaften?

 

Zu Beginn ist das Interesse vielleicht noch etwas verhalten. Werden die Kinder und Jugendlichen aber erst einmal von den Fachpersonen an den Ständen eingeladen, ein Experiment auszuprobieren, geht es plötzlich ganz schnell. Der Funke springt über und man kann förmlich zusehen, wie das Interesse wächst, sich auch über längere Zeit (gewisse Kinder verbringen den ganzen Tag auf dem Stand) mit komplexen Zusammenhängen auseinanderzusetzen.

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Planen Sie weitere Bereiche, mit welchen Sie den Fachkräftemangel minimieren können?

 

Den Ursprung haben die tun-Erlebnisschauen in der Technik und Naturwissenschaft. Mit der IT-Bildungsoffensive kam dann auch die Informatik immer mehr dazu. So sind wir aktuell bei den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften & Technik) angelangt. Eine spannende Überlegung wäre es beispielsweise, ob auch Gesundheitsberufe dazu genommen werden könnten. Dazu ist aktuell aber noch nichts in Planung.

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Gibt es vielleicht regionale Unterschiede? Also beispielsweise etwas, was an einer Ausstellung in der Ostschweiz gut ankommt, in Zürich beispielsweise nicht?

 

Wir bemerken, dass es bei den Angeboten von den Experimenten regional Unterschiede gibt. Diese sind zum Teil auf die lokale Industrie zurückzuführen. So sind beispielsweise an der tunBasel.ch Chemische Experimente häufiger anzutreffen, während in Solothurn vermehrt Experimente aus der MEM-Branche angeboten werden. Den Kindern spielt das aber keine Rolle. Sie stürzen sich mit Neugier auf das, was vorhanden ist und probieren aus. Solange es etwas zu tun gibt, sind die Experimente gleichermassen beliebt.

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Zukunftsprognosen sind derzeit schwierig. Dennoch: Wann denken Sie, kann es weitergehen?

 

Wir hoffen, dass es ab diesem Sommer/Herbst wieder möglich ist, grössere Veranstaltungen durchzuführen. Nachdem wir nun auch Rücksprache mit unseren Ausstellern genommen haben, werden wir die nächste tunOstschweiz.ch voraussichtlich an der OFFA 2022 durchführen können. Im gewohnten Umfeld – einfach mit einer zweijährigen Pause.

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Machen Sie irgendwelche Zukunftspläne? Beispielsweise, dass Sie nicht mehr so von Messen abhängig sind?

 

Für uns hat sich die Form der Sonderschau im Rahmen der OFFA als sehr gut bewährt. An anderen Standorten (Solothurn) findet die tun-Erlebnisschau beispielsweise in einer eigenen Halle statt. Solche stand-alone Varianten sind durchaus denkbar und funktionieren auch. Auch digitale Varianten einer tun-Erlebnisschau sind bereits in Prüfung. Aktuell gehen wir aber davon aus, dass sich die Lage bald wieder normalisiert und wir die Erlebnisschau wie gewohnt durchführen können. So können wiederum zahlreiche Kinder und Jugendliche für die faszinierende Welt der Technik und Naturwissenschaften begeistert werden.

 

Das Interview führte Manuela Bruhin, Redaktorin von «Die Ostschweiz».