Atelier Dominique D’Angelo

«Dieses Jahr wird es besonders kritisch»

Eigentlich wäre Dominique D’Angelo derzeit an verschiedenen Messen unterwegs, um ihre Ware zu verkaufen. Stattdessen bleibt sie darauf sitzen. Was sie gegen den Ertragsausfall unternimmt und wo sie einen Hoffnungsschimmer sieht, verrät sie im Interview.

Mit Ihren Produkten, wie beispielweise dem Magnet-Schalhalter, sind Sie vorwiegend an Messen unterwegs. Dann kam Corona. Wie haben Sie die letzten Monate erlebt?

 

Es war und ist eine schwierige Zeit für uns. Dank unseren Messen lief der Online-Shop immer gut. Wir sind aber auf Neukunden angewiesen – und diese zu bekommen, ist ohne Messen sehr schwierig. Zum Glück haben wir sehr viele treue Kundinnen, die immer wieder für uns Werbung machen.

 

Haben Sie nun einen Ausgleich gefunden? Vielleicht den Online-Handel ausgebaut?

 

Wir haben seit Jahren einen Online-Shop, der uns in dieser sehr speziellen Zeit gerettet hat. Da wir keine Messenausgaben haben, offerieren wir tolle Onlineangebote. Diese werden von unserer treuen Kundschaft sehr geschätzt und genutzt. Die Einnahmen der Messen fehlen natürlich trotzdem. Sie machen schliesslich den grössten Teil unserer Einnahmen aus.

 

Was machen Sie statt dessen mit Ihrer Zeit – jetzt, da Sie nicht unterwegs sein können?

 

Wir nutzen sie, um weitere Ideen zu entwickeln. Vor allem waren wir sehr kreativ in unserem Nähatelier, für welches wir immer zu wenig Zeit hatten.

OFFA - Atelier Dominique D'Angelo
OFFA - Atelier Dominique D'Angelo
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Sie sprechen stets in Mehrzahl, haben mittlerweile einen richtigen Familienbetrieb. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Ihrem Mann und Ihrer Tochter?

 

Sehr gut. Jeder hat seine Aufgabe im Betrieb und ist für diesen Teil verantwortlich. Mein Mann macht die ganze Produktion der Magnetbroschen und verwöhnt uns jeden Tag mit seinen Kochkünsten. Meine Tochter Luana und ich produzieren und kreieren alle anderen Artikel. Während der ruhigen Frühlingszeit 2020 hat sich meine Tochter entschlossen, für vier Monate ins Welschland zu gehen, um ihre Französischkenntnisse zu verbessern. Ab August, als ich sie dann trotzdem für Kurzarbeit anmelden musste, da wieder alle Herbstmessen abgesagt wurden, hat sie sich entschlossen, eine eigene Schmucklinie «Lalù» zu gestalten.

 

Die Kreativität liegt also in der Familie. Woher holen Sie sich Inspiration für Ihre Produkte?

 

Die besten Ideen kommen mir meistens nachts. Da ist es dann durchaus möglich, dass ich um drei Uhr morgens aufstehe und versuche, diese Idee gleich umzusetzen (lacht). Auch unsere treuen Kundinnen melden sich bei mir mit Wünschen. Oder ich sehe einfach, wo es ein Problem gibt. Wie zum Beispiel dann, wenn der Schal dauernd verrutscht.

 

Da ist dann die Magnetbrosche entstanden.

 

Genau. Die mühsame Kettenverschlüsse kann man beispielsweise nicht alleine anziehen – deshalb haben alle unsere Ketten praktische Magnetverschlüsse. Ich liebe Seide. Man erhält in vielen Geschäften aber praktisch nur noch synthetische Stoffe. Darauf zu reagieren, das ist unsere Stärke. So entstehen Seidenschals, Seidenketten und Seidenschmuck. Man muss Artikel anbieten, die andere nicht haben – sonst hat man an Messen keine Chance. Da praktisch alle unsere Artikel von Hand gefertigt sind, haben wir keine grosse Konkurrenz.

 

Ihr Atelier befindet sich im Tessin – gerade im letzten Jahr waren die Massnahmen dort besonders hart. Wie hat sich die Situation inzwischen verändert?

 

Wir waren stark betroffen und auch sehr geschockt über die schlimmen Umstände im nahen Italien. Deshalb waren wir von Anfang an sehr konsequent. Im Moment sieht es bei uns im Tessin sehr gut aus und die Covidzahlen fallen von Tag zu Tag – aber leider haben wir es noch nicht überstanden.

OFFA - Atelier Dominique D'Angelo
OFFA - Atelier Dominique D'Angelo
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Der Messekalender für dieses Jahr stimmt nicht gerade optimistisch. Wie sehen Sie den nächsten Monaten entgegen?

 

Dieses Jahr wird es besonders kritisch. Letztes Jahr wurden wir noch gut vom Staat unterstützt. Doch jetzt erhalten wir nur noch Unterstützung, wenn wir über 40 Prozent Verlust einfahren – und das ist viel. Wir konnten unsere Tochter für die Kurzarbeit anmelden. Wir wissen jedoch nicht, wie lange wir diese Unterstützung noch bekommen. Da wir unser Atelier und Lager im eigenen Haus haben, fallen zum Glück hohe Fixkosten weg. Deshalb kommen wir irgendwie über die Runden.

 

Wo haben Sie Hoffnungen?

 

Dass wir im Herbst wieder starten dürfen. Unsere Kunden würden eine Auswahl haben, wie sie sie noch nie hatten! Wir werden weiter positiv bleiben und das Beste aus dieser Zeit machen. Dennoch möchten wir bald wieder unsere Kunden persönlich begrüssen.

OFFA - Atelier Dominique D'Angelo

Das Interview führte Manuela Bruhin, Redaktorin von «Die Ostschweiz».